Hondas Einstieg in die Motorrad-Weltmeisterschaft

Wer hätte das gedacht - 1959 - dass Honda einmal zur erfolgreichsten Motorradmarke in der Weltmeisterschaft werden würde. In der Zeit des Rock'n Roll, als von Japan in Sachen Motorräder kaum etwas bekannt war, tauchte eine kleine Abordnung  auf der Isle of Man auf. Eine kleine Sensation war es nur dahingehend, da bei der Tourist Trophy bisher nur ein Japaner teilgenommen hatte, und zwar Kenza Tada 1930. Ansonsten wurden die Japaner nicht weiter beachtet, konnte sich doch damals keiner vorstellen, dass sie ein paar Jahre später eine echte Konkurrenz darstellen würden. Hatten sie sich in ihrer Heimat gut vorbereitet, hatten sie doch in Europa keinerlei Ambitionen irgendetwas zu gewinnen. Sie wollten ins Ziel kommen, Erfahrungen sammeln und eventuell den Marken-Teampreis gewinnen, was ihnen auch gelang. Es war einmalig, dass das einem ausländischen Team beim ersten Anlauf gelang. Gegen die damals favorisierten Maschinen von MV-Agusta, MZ, Gilera, Moto-Guzzi, Mondial und Ducati hatten sie ohnehin keine Chance. Doch mit den Plätzen sechs, sieben, acht und elf setzten sie ein Achtungszeichen.

Bereits im Januar 1959 erschien der Chef der Honda-Entwicklungsabteilung, Ichioo Niitsuma mit Berater Bill Hunt auf der Insel, um die Strecke zu inspizieren. Sie skizzierten und fotografierten und erschienen somit gut vorbereitet zum Rennen. Mit eigenem Koch, eigenem Reis und Küchenutensilien mieteten sie das gesamte  Hotel in Onchan, das direkt an der Stecke lag und in dem sie auf Matratzen auf dem Fußboden in Nord-Süd-Richtung schliefen. Ihre Badegewohnheiten brachte die hoteleigene Wasserversorgung bald an ihre Grenzen. Im 20-Mann-Team waren die Fahrer Naomi Taniguchi, Teisuka Tanaka sowie Junzo und Giichi Suzuki sowie Bill Hunt. Sie verteilten großzügig Werbegeschenke, mit denen sie sich, besonders unter den Jugendlichen, schnell Freunde machten.

Die Maschinen - 125 ccm Zweizylinder - schienen doch eher veraltet, wenn sie auch in ihrem Design und Verarbeitung bestachen. Von einigen technische Lösungen wie dem Zentralrahmen, der Geometrie der Vorderradschwinge und dem vertikalen Gasschieber war man in Europa bereits abgerückt und entlockten dem Betrachter höchstens ein Lächeln.

Man hatte sich vorher auf dem europäischen Markt genau informiert und inspiziert, nicht zuletzt bei NSU.  Der Zweizylindermotor hatte anfangs 2 Ventile je Zylinder. Um konkurrenzfähiger zu sein, flog man kurzerhand Zylinderköpfe mit 4 Ventilen je Zylinder aus Japan ein. 18,5 PS bei14000U/min.,Magnetzündung, Sechsganggetriebe brachten teilweise erstaunliche Geschwindigkeiten hervor. Vielleicht fehlte es den japanischen Fahrern auch etwas an Erfahrung im Kampf mit der Weltspitze und dazu auf einem so anspruchsvollen Kurs wie der Isle of Man.

Taniguchi beendete das Rennen als sechster mit 109,5 km/h hinter dem Sieger Provini (118,5 km/h). Ein hoher materieller und finanzieller Aufwand war ihnen diese Lehrstunde wert, und sie sollte nicht umsonst gewesen sein. In Europa hatte man gehofft, dass die Japaner wiederkommen und sich an weiteren Rennen  beteiligen. Und sie kamen wieder! Schon 1960 hatten sie eine verbesserte 125ccm Zweizylindermaschine und eine neuen 250 ccm Vierzylindermaschine. Mit den erfahrenen Fahrern Tom Phillis und Bob Brown rückten sie der Weltspitze wieder ein Stück näher.

Mit 621 Grand-Prix-Siegen und 50 WM-Titeln ist Honda heute mit Abstand die erfolgreichste Motorradmarke in der Weltmeisterschaft.

Die erfolgreichsten Fahrer für Honda waren Jim Redman mit 6 WM-Titeln sowie Mike Hailwood und Mick Doohan mit jeweils 5.

 

Quelle: /1/ Vic Willoughby: Das Motorrad-Rennsportbuch

           /2/ Peter Garrick:    Die HONDA-Motorradstory

           /3/ Wikipedia